Lieber Kölner Stadt-Anzeiger,

ich möchte mich herzlichst bei Ihnen für diese herzzerreißende „Weihnachtsgeschichte“ bedanken. Ich will ehrlich sein, wenn ich Ihnen schreibe, dass die ein oder andere Träne über meine Wange kullerte, als ich diese wunderschönen Zeilen las. Viel Dank für Ehrlichkeit – Mutter einer syrischen Flüchtlingsfamilie findet Geldbörse. Gänsehaut pur!
Es ist so wunderschön zu lesen, dass die „kleine Oma“ Hildegard Lichtinghagen seit 2015 eine syrische Flüchtlingsfamilie und deren drei Kinder betreut. Nur kurz dazwischengefragt, betreut die „kleine Oma“ auch eine deutsche Familie?
„Safaa – Straße – kleine Tasche“, so meldete sich Familienvater Rami Hussein an einen Samstag aufgeregt bei Lichtinghagen. Was war passiert? Der Spannungsbogen steigt ins Unermessliche! Die Antwort lieferten sie auf den Fuß. Seine Frau Safaa hatte vor einer Bäckerei eine Geldbörse gefunden. Eine halbe Stunde habe sie dann dort gewartet, in der Hoffnung, der Besitzer käme zurück. Vergebens. Unglaublich! Mein Magen zog sich mir zusammen aufgrund dieser Selbstlosigkeit, dieser Aufopferung. Aber sind Sie sich sicher, dass die Syrerin nicht etwa über Nacht dort ausharrte und auf den oder die Besitzerin gewartet hatte? Eine halbe Stunde erscheint mir da etwas kurz.
Zum Glück befanden sich wieder alle Ausweispapiere in dem Portemonnaie. Gott sei Dank! Sofort machten sich Hussein und die „kleine Oma“ auf den Weg zum Besitzer. Da dieser nicht zuhause war, übergab man einer hilfsbereiten Nachbarin den kostbaren Fund.
Hussein war „unglaublich“ erleichtert! Ich wiederhole: Unglaublich erleichtert. Er sagte nur noch: „Danke Hilda – so ist gut!“ …wenn ich jetzt vielleicht als Autorenkollege bzw. geübter Schreiber vielleicht selbst noch hinzufügen darf … und fiel dann auf die Knie, ehe er mit tränenüberströmten Gesicht ein Gebet zum Himmel entsandte. Das war einer der schönsten und aufreibendsten Momente seines bisherigen Lebens gewesen. Hussein war mit sich und der Welt in Frieden! Die „kleine Oma“ hinterließ ihre Telefonnummer und am nächsten Tag schon meldete sich die Besitzerin höchstpersönlich. Die Gummersbacherin wollte sich bei der syrischen Frau persönlich bedanken, und die „kleine Oma“ lud beide zum Sommerfest des Sozialdienstes nach Marienheide ein, wo sie sie die Familie treffen könne. „Die Besitzerin erschien mit Blumen für die Betreuerin, Süßigkeiten für die Kinder der Familie und einem Briefumschlag für die Eltern. Darin waren 100 Euro.“ informierten Sie mich und wahrscheinlich Millionen von anderen wissbegierigen Lesern.
Doch was passierte dann? Ich glaubte meinen eigenen Augen nicht zu trauen, als ich folgende Zeilen las: Doch Rami und Safaa Hussein wollten die Belohnung nicht annehmen: Das sei zu viel. Deutschland habe ihnen schon unglaublich viel gegeben und geholfen. Das ist doch wohl so unfassbar schön, selbstlos und rührend, dass ich erneut zahlreiche Tränen vergießen musste. „Das sei zu viel. Deutschland habe ihnen schon unglaublich viel gegeben und geholfen.“ Wunderschön! Ach, wie schön ist die Welt und wie bescheiden, dankbar und warmherzig sind doch diese Menschen.
Trotzdem insistierte die Gummersbacherin, bei der man aber immer noch nicht wusste, wie viel Geld denn jetzt überhaupt im Portemonnaie gewesen war, und bestand darauf, dass die Eltern das Geld doch annehmen. Die Geldbörse wäre doch sonst, samt Inhalt, gänzlich verloren gewesen. „Machen Sie sich mit den Kindern einen schönen Tag““, sagte sie und überzeugte die Eltern, das Geld anzunehmen.
Trommelwirbel!!! Nimmt die Familie die Belohnung jetzt an? Ich konnte meine Augen kaum vom Bildschirm abwenden! Ja! Jaa! Jaaaaa!!!!! Die Familie nahm, (schweren Herzens?) das Geld dann doch an und verbrachte, wenn sie nicht… , ach nein, das passt ja an dieser Stelle nicht und gehört auch nur in Märchen, einen wunderschönen Tag zusammen in ihrer neuen Heimat. Dem Land, das ihnen schon so unglaublich viel gegeben hatte.
„Für Hildegard Lichtinghagen war das eine schöne und herzliche Begegnung bei der alle einfach nur Freude hatten.“ Jetzt war es endgültig um mich geschehen. Es brach alles aus mir heraus. Mein Gott, was ist das schön! Diese Lichtinsel inmitten der ganzen unruhigen Welt da draußen. Es ist so fantastisch, dass es Menschen wie Rami und Safaa Hussein gibt!!!
Aber es ist natürlich noch nicht ganz vorbei: „Familienvater Rami Hussein kann nun auch, nach bestandenem Deutschkurs, eine Arbeitsstelle annehmen.“ Ich kann nicht mehr! Dass ich so etwas noch mal lesen, erleben und mitfühlen darf. Danke lieber Kölner-Stadt-Anzeiger! Lassen Sie mich raten, und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute?
Mit Licht und grenzenlosem Mitgefühl durch Sie erhoben
Tim K.
 

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